Gefühle in der Integrative Primärtherapie

Eigentlich sind die Gefühle in unserem Leben etwas selbstverständliches, so sollte es sein, aber oft  machen wir die Erfahrung, dass sie uns beeinflussen, wir aber nicht wissen, wie sie zu steuern sind. Gefühle wirken auf Körper, Geist und die Seele und sind nicht immer leicht zu erkennen. Die moderne Hirnforschung bestätigt mittlerweile, dass Störungen in der ersten Lebenszeit, von der Schwangerschaft über die Geburt und auch während der ersten Lebensjahre, einen enormen Einfluss haben auf die Bildung der neuronalen Netzwerke und auch auf das Hormonsystem. Darüber entsteht eine wichtige Prägung für das gesamte spätere Leben.
Die Primärtherapie ist eine der Therapiemethoden, die sich bereits seit 40 Jahren mit den Auswirkungen der Gefühle, insbesondere der Traumata während der Schwangerschaft, Geburt und ersten Lebensphase (genannt first line) beschäftigt und über deren Bedeutung intensiv geforscht hat.
Die Erfahrungen zeigen, dass die therapeutische Arbeit mit den Gefühlen wichtig ist, allerdings auch Zeit erfordert, da sie nicht immer  leicht zu steuern sind.

Warum ist das so?
Zum einen ist der Mensch während der ersten  Lebensphase allein nicht lebensfähig, er ist abhängig von der Umwelt, hat keine Vorstellung  von Zeit,  kann nur auf der Körperebene reagieren,  Lust- und Unlustgefühle wahrnehmen, und er kann seine Lage nicht willentlich verändern.  Erlebnisse, wie lange Trennungen von der Mutter oder langes Warten, können zu einer existentiellen Bedrohung werden. Das Bedürfnis nach Nähe, Gehalten und Geborgen sein ist ganz natürlich, da darüber die Sicherheit nach Nahrung, Wärme, quasi ein Urvertrauen in die Welt,  gekoppelt ist. Extreme Spannungen während der Schwangerschaft oder eine schwere Geburt haben direkte Auswirkungen auf das Kind, da es darüber eine Bedrohung von außen erfährt und dieser ausgeliefert ist. Derartige Erlebnisse werden gespeichert und verknüpfen sich  mit anderen ähnlich gelagerten Bedrohungen zu einem Komplex von Köperreaktionen und diffusen Gefühlen.
Wächst das Kind in einer geborgenen Umgebung auf, können diese Spannungen gemildert werden, gibt es aber während der Kindheit immer wieder Spannungen und Stress, entwickeln sich daraus negative Gefühle, die nach Möglichkeit unterdrückt werden.
Wir möchten  negative Erfahrungen vergessen, verdrängen, doch durch einen entsprechenden Auslöser kann eine Gefühlskette aktiviert werden, auch wenn wir zu den Ursprüngen keinen  Zugang mehr haben. Verdrängte Gefühle erzeugen Spannungen und können sich seelisch zeigen aber auch körperlich wie in Herz-Kreislauf Erkrankungen, Rückenschmerzen oder anderen psychosomatischen Erkrankungen.

Die Therapie unterstützt die Verbindung zu den elementaren Gefühlen. Indem wir durch das Erleben wieder Kontakt zum inneren Wesen, oder zum  inneren Kind  bekommen, gewinnen wir ein ganz eigenes Verständnis für Konflikte und Probleme in der Gegenwart, Spannungen oder Stress. Duch die Rückverbindung entsteht Heilung im Sinne von Ganz-werden, das Selbst-Vertrauen wird gestärkt, die eigene Wahrnehmung gibt Kraft und Mut, neue Wege zu gehen.